Porsche: knapp 1 Mrd. Verlust nach VW-Abschreibung – Mercedes verkauft Niederlassungen – VDA-Chefin warnt vor Entlassungswelle im Auto-Sektor – Goldman Sachs warnt vor KI-Chips

Liebe Leser,

das große Treffen zwischen Trump und Xi in Peking wird die Richtung der nächsten Monate vorgeben. Mit einem großen Empfangsspektakel ist Trump am Flughafen abgeholt worden. Worum geht es in Peking? Außer den geopolitischen Themen hat Trump viele Vorstände der großen Player aus den USA im Schlepptau. Auch der Nvidia-CEO wurde „eingepackt“, obwohl es ein offenes Wettrennen bei der KI-Entwicklung und somit Chip-Herstellung gibt. Auf der anderen Seite sind die USA von wichtigen Rohstoffen der „Seltenen Erden“ aus China abhängig. Es ist ein Strategie-Spiel – zumindest für die Öffentlichkeit.

Trotz eines katastrophalen Verlusts von knapp einer Milliarde bei Porsche ist der DAX-Index weiterhin stabil über der 24.000 Punkte-Marke. Der Grund für den hohen Verlust ist eine Abschreibung bzw. Wertberichtigung bei der Beteiligung an Volkswagen. Parallel setzt Mercedes jetzt – wie angekündigt – den Verkauf seiner Autohäuser um. Die VDA-Chefin geht von 225.000 Entlassungen in der deutschen Automobilbranche aus. Das ist eine verheerende Prognose, welche die Sorgen der De-Industrialisierung Deutschlands unterstreicht.

Starke Zahlen haben Merck und Siemens in ihrem ersten Quartal erzielt. Die Siemens-Aktie hat dadurch ein neues Rekordhoch geschafft. Die meisten DAX-Unternehmen sind international aufgestellt und deshalb kann man den deutschen Aktien-Index nicht mit der Realwirtschaft oder dem Mittelstand vergleichen. Gerüchte von Werk-Übernahmen bei Volkswagen durch chinesische Konkurrenten macht immer mehr die Runde. Die chinesischen Automobilhersteller drängen immer stärker auf Internationalisierungs-Kurs. Das habe ich im www.SWISSMONDAY.de bereits vor mehreren Jahren beschrieben und dazu muss man auch kein Hellseher sein. Xpeng soll mit Volkswagen in Gesprächen sein. Stark waren auch die Ergebnisse von Deutsche Telekom und Allianz. Also die deutschen Big-Player im DAX meistern die „Krise“ wirklich. Oder ist die Krise nur in den Köpfen des Volkes und auf Konzern-Ebene und Politik läuft das Geschäft wie nie zuvor? Nun, sofern die Zahlen nicht gefälscht sind, ist es wirklich sehr stark und zeigt auch die Belohnung in den Aktienkursen.

Interessant ist momentan auch die hohe Volatilität bei den Aktien aus der Semiconductor-Branche. Die Kurse schwanken in beide Richtungen im 2-stelligen Prozentbereich. Der ein oder andere vergleicht diese Ausschläge bereits mit den Internet-Aktien kurz vor dem Platzen der Dot.com-Blase. Tja, dieser Vergleich wird durch die neue Aussage von Goldman Sachs unterstrichen, die vor einem Ungleichgewicht im „KI-Chip-Rausch“ warnen. In den nächsten Wochen sollen die Roadshows der neuen Börsengänge starten. Ich bin immer noch gespannt, ob OpenAI (ChatGPT) seinen Börsengang durchzieht und noch schnell Kasse macht, oder der Markt diesen Zug womöglich sogar stoppt. Im Vorfeld der Börsengänge haben Alphabet und SpaceX eine Kooperation für die Errichtung von Rechenzentren im All beschlossen. Liebe Leser, verzeihen Sie mir bitte meinen offenen Humor: hätte ich über „Rechenzentren im All“ vor 10 Jahren geschrieben, dann wäre ich in der Klapsmühle gelandet. Aber gut: in dieser Zeit leben wir und ich erhalte mich bei einer Meinung, weil ich dazu keine habe.

Die Berichtssaison ist weitestgehend abgeschlossen. Jetzt beginnen die Hauptversammlungen. Auch hier kann man teilweise von Überraschungen ausgehen. Walmart und Home Depot werden ein wichtiges Signal für das Konsumenten-Vertrauen geben. Baidu.com ist natürlich auch ein wichtiger Indikator für China.
 
Wie geht’s an den Börsen weiter?
 
Prinzipiell könnte ich jetzt meine Aussage der Vorwoche reinkopieren. Ich erhoffe mir aus dem Ergebnis der bilateralen Gespräche in China zwischen den beiden Staats-Chefs eine gute Lösung für ein Ende des Iran-Kriegs. Hoffen ist immer gut – doch die Realität gewinnt am Ende des Tages. Ich befürchte in Kürze erste sichtbare Auswirkungen vom Iran-Krieg, der sich bei den Energie-Produkten bemerkbar macht. Auch auf der Preisebene müsste der steigende Ölpreis bei den Endverbrauchern ankommen. Also eine Teuerungsrate steht unvermeidlich bevor, obwohl die ersten Ausschläge bereits jetzt in den Inflationsdaten erkennbar sind. Die Volatilität ist hoch und somit auch die Nervosität. Mit einer Korrektur sollte man immer rechnen.

Ich wünsche ein erholsames Wochenende!

Ihr
Rainer Hahn
Chefredakteur

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